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Geschichte des Bön
Buddha Tonpa Shenrab Miwoche


Bön ist Tibets älteste spirituelle Tradition. Die Wurzeln dieser einheimischen Religion reichen bis Buddha Tönpa Shenrab Miwoche in einer ununterbrochenen Übertragungslinie zurück. Nach den Bön Überlieferungen lebte dieser Buddha lange vor dem indischen Buddha Sakyamuni.

Das Bön-Dharma entfaltete sich in der vor-buddhistischen Zivilisation des Königreiches Zhang Zhung.


Über die Frühgeschichte dieser Zivilisation ist nicht viel bekannt. Fest steht, dass dieses sagenumwobene Königreich bis zum 7. Jahrhundert einen eigenständigen Staat bildete, der den gesamten Westen Tibets um den Berg Kailash und den Manasarovar-See umfasste.

Zhang Zhung hat in seinem Namen das Wort Zhung was Garuda bedeutet . Es wird angenommen, dass die Könige von Zhang Zhung einem der fünf Klans angehörten, von denen alle Tibeter abstammen, nämlich dem Klan der Khyung, der Garudas. Bis auf den heutigen Tag gibt es in der Nähe des Berges Kailash einen Ort, namens Khyunglung Ngulkhar, was bedeutet Silber Palast im Garuda-Tal. Dort lag die einstige Hauptstadt des Königreichs Zhang Zhung.

In dieser Periode herrschte hier eine Hochkultur mit eigener Sprache und Schrift.
Die Bewohner sprachen damals eine Sprache, die unter den tibeto-burmesischen Sprachen zu den sino-tibetischen Sprachen gezählt wird. Die Werke im Bönpo Kanon (Sutra, Tantra und Dzogchen) sind meist in tibetischer Sprache geschrieben, aber ältere Texte enthalten Überschriften oder ganze Passagen in der alten Sprache aus dem ehemaligen Königreich.

Als gesichert gilt ebenfalls ein reger Handelsaustausch mit Indien, Kaschmir und Persien, sowie Zentral-Tibet. Das Land wurde von einer Königsdynastie regiert, die im 8. Jahrhundert unterging, als der König Ligmincha durch den tibetischen König Trisong Detsen ermordet und Zhang Zhung von tibetischen Buddhisten eingenommen wurde. Unter der Fremdherrschaft verlor Zhang Zhung seine kulturelle Identität und ging schliesslich in den tibetischen Staat über.

Versteckt erhalten blieb die Bön Religion, die unter dem Patronat der Zhang-Zhung-Könige viele hundert Jahre lang geblüht hat.
Nach dieser Periode hat sie zwangsweise Wandlungen durchlaufen und blieb auch nicht unbeeinflusst von der Schule der Nyingmapa des Buddhismus.

Das Spektrum von Bön reicht heute vom alten, schamanistisch-animistischen Bön, das Harmonie und Heilung betont, bis zu Yungdrung Bön oder das Ewige Bön, das auf eine spirituelle Befreiung des Individuums mit Hilfe eines sehr differenzierten Systems von Unterweisungen und Übungen aus Sutra, Tantra und Dzogchen hinzielt. Dzogchen lehrt den stufenlosen Weg zur grossen Vollkommenheit. Die spätere Form des Bön ist das sogenannte Neue Bön. Dieses basiert auf in Zeiten religiöser Verfolgung versteckten und später wiederentdeckten Texten, den sogenannten Termas.

Das übliche westliche Bild von Tibet als bis zur tragischen Invasion von Frieden und Eintracht gesegenetem Land ist leider nur bedingt wahr. Tibetische Geschichte enthält auch Beschreibungen von religiösen Konflikten und sektierischen Kämpfen um Macht und Privilegien. Neben der Bewahrung der eigenen Tradition ist es aber eine Tatsache, dass zwischen Bön und den vier anderen buddhistischen Schulen auch eine lange Beziehung von gegenseitiger Beeinflussung stattfand.


Bön wurde im Jahre 1978 als fünfte Weisheitsschule Tibets von Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama offiziell anerkannt:

"Bön hat, als authentische Quelle der tibetischen Kultur, eine wichtige Rolle bei der Entstehung der einzigartigen Identität dieses Landes gespielt."

Seine Heiligkeit Tenzin Gyatso, der XIV. Dalai Lama

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